Meerwasser zu Trinkwasser: Milliardenprojekt Hassyan in Dubai zeigt die Zukunft der Wasserversorgung

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Wasser wird weltweit zu einer immer wichtigeren wirtschaftlichen Ressource. In Dubai entsteht mit Hassyan eine der größten Meerwasserentsalzungsanlagen ihrer Art. Rund 818 Millionen Liter Trinkwasser soll das Milliardenprojekt täglich produzieren können. Dahinter stehen moderne Membrantechnik, langfristige Investitionen und ein Geschäftsmodell, das auch für andere wasserarme Regionen interessant werden könnte.
„Wasser wird zunehmend zu einer strategischen Infrastrukturfrage. Hassyan zeigt, wie moderne Technologie und langfristige Investitionen die Versorgung wachsender Wirtschaftsregionen sichern können.“ — GREY-NEWS Redaktion
Meerwasser zu Trinkwasser – Die Fakten
- Täglich 818 Millionen Liter Trinkwasser geplant.
- Investitionen von rund 920 Millionen US-Dollar.
- Moderne Umkehrosmose statt thermischer Entsalzung.
- Langfristige Wasserabnahme über 30 Jahre.
- Erste Anlagenkapazitäten seit 2026 in Betrieb.
- Vollständige Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen.
Ein Milliardenprojekt für die Wasserversorgung von morgen
Dubai wächst. Neue Wohnviertel entstehen, Unternehmen investieren in Industrie, Handel und Tourismus. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung steigt zugleich der Bedarf an einer zuverlässigen Trinkwasserversorgung. Da natürliche Süßwasservorkommen in der Region begrenzt sind, gewinnt die Aufbereitung von Meerwasser eine besondere Bedeutung.
Mit der Meerwasserentsalzungsanlage Hassyan setzt das Emirat deshalb auf eine groß angelegte Erweiterung seiner Wasserinfrastruktur. Das Projekt liegt an der Küste des Persischen Golfs, südwestlich des Stadtzentrums von Dubai. Nach vollständigem Ausbau soll die Anlage täglich 818.280 Kubikmeter Trinkwasser bereitstellen. Das entspricht mehr als 818 Millionen Litern.
Die Investitionssumme beläuft sich nach Angaben der staatlichen Dubai Electricity and Water Authority (DEWA) auf rund 3,377 Milliarden Dirham, umgerechnet etwa 920 Millionen US-Dollar. Hassyan gehört damit zu den bedeutenden Wasserinfrastrukturprojekten der Region.
Wie Meerwasser zu sauberem Trinkwasser wird
Das Herzstück der Anlage ist die sogenannte Umkehrosmose. Das Verfahren gehört zu den wichtigsten Technologien der modernen Meerwasserentsalzung und wird bereits in zahlreichen Ländern eingesetzt. Im ersten Schritt wird Meerwasser angesaugt und von größeren Schwebstoffen, Sand und weiteren Verunreinigungen befreit. Anschließend gelangt das vorgereinigte Wasser unter hohem Druck durch spezielle Membranen. Diese lassen Wassermoleküle passieren, halten jedoch den überwiegenden Teil der gelösten Salze zurück.
Das gewonnene Wasser wird nachbehandelt, mineralisiert und für die Einspeisung in die Trinkwasserversorgung vorbereitet. Zurück bleibt ein konzentrierter Salzstrom, der entsprechend den technischen und umweltrechtlichen Vorgaben behandelt und abgeleitet werden muss.
Infokasten: Wichtige Fachbegriffe
Umkehrosmose (Reverse Osmosis, RO): Ein Membranverfahren, bei dem Wasser unter Druck von gelösten Salzen getrennt wird.
SWRO (Seawater Reverse Osmosis): Bezeichnet die speziell für Meerwasser eingesetzte Umkehrosmose.
Membran: Eine sehr feine Trennschicht, die Wassermoleküle passieren lässt und den Großteil der Salze zurückhält.
Thermische Entsalzung: Ein Verfahren, bei dem mithilfe von Wärme Süßwasser aus salzhaltigem Wasser gewonnen wird.
Salzlake: Stark salzhaltiges Restwasser, das bei der Entsalzung anfällt.
Für Dubai hat die Umkehrosmose einen entscheidenden Vorteil: Sie benötigt grundsätzlich weniger Energie als die traditionellen thermischen Entsalzungsverfahren, bei denen Meerwasser durch Wärmezufuhr verdampft und anschließend kondensiert wird. Das macht moderne Membrananlagen vor allem dort wirtschaftlich interessant, wo große Wassermengen kontinuierlich produziert werden müssen.
Warum Meerwasserentsalzung zu einem Milliardenmarkt wird
Hassyan ist nicht nur ein Technologieprojekt. Hinter der Anlage steht ein langfristig angelegtes Geschäftsmodell, das zunehmend auch die internationale Infrastrukturfinanzierung prägt. Die Dubai Electricity and Water Authority hat für das Projekt einen Wasserabnahmevertrag mit dem saudi-arabischen Energie- und Infrastrukturunternehmen ACWA Power geschlossen. Die vertragliche Laufzeit beträgt 30 Jahre.
Das Projekt wird nach dem sogenannten Independent-Water-Producer-Modell umgesetzt. Dabei übernimmt eine eigenständige Projektgesellschaft die Finanzierung, Errichtung, Eigentümerschaft und den Betrieb der Anlage. Die öffentliche Versorgungsbehörde kauft das produzierte Wasser auf Grundlage eines langfristigen Vertrags ab. Ein solches Modell verteilt Verantwortlichkeiten auf mehrere Beteiligte und schafft einen langfristigen Rahmen für die Finanzierung. Investoren erhalten planbare vertragliche Zahlungsstrukturen, während die öffentliche Hand große Infrastrukturvorhaben unter Einbindung privater Partner realisieren kann.
An der Projektgesellschaft sind nach aktuellen Angaben von ACWA Power DEWA mit 60 Prozent, ACWA Power mit 20,4 Prozent und EIG mit 19,6 Prozent beteiligt. Mit Planung und Bau sind unter anderem SIDEM, eine Gesellschaft aus dem Umfeld des französischen Umwelttechnologiekonzerns Veolia, und SEPCO III aus China befasst.
Was kostet ein Kubikmeter Trinkwasser?
Ein bemerkenswerter Aspekt des Hassyan-Projekts ist der im Vergabeverfahren veröffentlichte Angebotspreis. DEWA bezifferte ihn auf 0,36536 US-Dollar pro Kubikmeter entsalztem Wasser. Ein Kubikmeter entspricht 1.000 Litern.
Für die Wirtschaftlichkeit moderner Entsalzungsanlagen spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Stromkosten, Membranlebensdauer, Finanzierungskonditionen, Wartung, Wasserqualität und Auslastung. Gerade große Anlagen können durch standardisierte Technik, zentrale Betriebsführung und langfristige Lieferverträge Kostenvorteile erreichen. Allerdings lässt sich der in Dubai erzielte Projektpreis nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen. Dort können Strompreise, Umweltauflagen, Finanzierungskosten und Wasserverteilung erheblich abweichen.
Erneuerbare Energien verändern die Wasserproduktion
Meerwasserentsalzung und Energieversorgung sind eng miteinander verbunden. Pumpen erzeugen den hohen Druck, der für die Umkehrosmose erforderlich ist. Hinzu kommen die Energieaufwendungen für Wasserentnahme, Vorbehandlung, Nachbereitung und Transport. Deshalb entscheidet die Herkunft und der Preis des Stroms wesentlich über die Wirtschaftlichkeit und die Klimabilanz einer Anlage. Dubai verfolgt das Ziel, seine Wasserproduktion zunehmend mit sauberer Energie und effizienteren Verfahren zu verbinden. Hassyan wird von DEWA ausdrücklich als Bestandteil dieser Entwicklung eingeordnet. Bereits bei der Projektvereinbarung wurde die Nutzung von Solarenergie als wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts hervorgehoben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Anlagenkomponenten ausschließlich mit Solarstrom betrieben werden. Für eine unterbrechungsfreie Trinkwasserversorgung muss die Stromversorgung auch nachts und bei schwankender Sonneneinstrahlung gesichert sein. Die Kombination aus energieeffizienter Umkehrosmose, erneuerbarer Stromerzeugung (Erneuerbare Energien News) und verlässlicher Netzinfrastruktur eröffnet dennoch neue Perspektiven. Besonders für sonnenreiche Küstenregionen könnte sich daraus ein wirtschaftlich interessantes Versorgungsmodell entwickeln.
Welche Umweltfragen wirft die Meerwasserentsalzung auf?
Die Produktion großer Trinkwassermengen aus Meerwasser bringt auch ökologische Herausforderungen mit sich. Besonders die Rückführung konzentrierter Salzlake ins Meer verlangt eine sorgfältige technische Planung. Wird stark salzhaltiges Wasser ohne ausreichende Verdünnung eingeleitet, kann sich die Salzkonzentration im betroffenen Meeresbereich erhöhen. Das kann Auswirkungen auf empfindliche Meeresorganismen haben. Auch die Entnahme großer Meerwassermengen muss so gestaltet werden, dass möglichst wenige Kleinstlebewesen und andere Organismen in die Anlagen gelangen.
Bei Hassyan gehören Meerwasserentnahme, Rückleitung und entsprechende Meeresbauwerke zum technischen Gesamtkonzept. Vorgesehen sind unter anderem Auslasssysteme, die eine Vermischung der Rückläufe mit dem umgebenden Meerwasser ermöglichen. Langfristig wird sich die Umweltverträglichkeit solcher Anlagen nicht allein an ihrem Energieverbrauch messen lassen. Ebenso entscheidend sind die Auswirkungen auf marine Lebensräume, die Qualität der Einleitungen und die laufende Überwachung der Betriebsbedingungen.
Hassyan nimmt schrittweise den Betrieb auf
Die Umsetzung des Projekts erfolgt in mehreren Schritten. Nach Angaben von DEWA wurde im ersten Quartal 2026 der erste Anlagenblock mit einer Kapazität von 60 Millionen imperialen Gallonen täglich in Betrieb genommen. Das entspricht etwa 273 Millionen Litern. Weitere 120 Millionen imperiale Gallonen pro Tag, also rund 546 Millionen Liter, sollten im Jahresverlauf 2026 hinzukommen. Die ursprüngliche Projektgenehmigung sah für die zweite Ausbaustufe den 15. Oktober 2026 vor.
Die vollständige kommerzielle Inbetriebnahme mit einer Gesamtkapazität von 180 Millionen imperialen Gallonen täglich ist nach den veröffentlichten Projektunterlagen für den 15. Februar 2027 vorgesehen. Eine Bestätigung, dass die für Oktober geplante zusätzliche Kapazität bereits tatsächlich in Betrieb ist, liegt zum Redaktionsstand nicht vor.
Kann Hassyan ein Vorbild für andere Länder werden?
Die wirtschaftliche Bedeutung moderner Meerwasserentsalzung reicht weit über die Vereinigten Arabischen Emirate hinaus. Zahlreiche Regionen stehen vor der Aufgabe, ihre Wasserversorgung an steigenden Verbrauch, wachsende Städte und veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Besonders in Nordafrika und im Nahen Osten ist die Meerwasserentsalzung seit Langem Teil der Versorgungsstrategie. Auch für Teile Südeuropas gewinnt sie als Ergänzung bestehender Wasserquellen an Bedeutung.
Die Übertragbarkeit des Hassyan-Modells hängt allerdings von regionalen Voraussetzungen ab. Benötigt werden geeignete Küstenstandorte, eine leistungsfähige Stromversorgung, die notwendige Wasserinfrastruktur und langfristig tragfähige Finanzierungsmodelle. Für international tätige Technologieunternehmen, Anlagenbauer und Infrastrukturinvestoren entstehen dadurch Geschäftsmöglichkeiten. Gefragt sind nicht nur Entsalzungsanlagen, sondern auch Membranen, Pumpentechnik, Energierückgewinnungssysteme, digitale Steuerungstechnik und Lösungen zur umweltverträglichen Behandlung der Reststoffe.
Hassyan verdeutlicht damit eine Entwicklung, die künftig an Bedeutung gewinnen dürfte: Wasserinfrastruktur wird zunehmend zu einem eigenständigen Investitionsfeld, in dem Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Planung eng zusammenwirken.
Wasser sparen statt Wasser produzieren: Innovationen setzen an unterschiedlichen Stellen an
Während Dubai Milliarden in die Erschließung zusätzlicher Trinkwasserressourcen investiert, verfolgen andere Unternehmen einen ergänzenden Ansatz: Sie entwickeln Technologien, die den Wasserverbrauch im Alltag reduzieren können.
Ein Beispiel ist die deutsche SW Save the Water GmbH mit ihrer Produktentwicklung Soapeya. Das Unternehmen setzt auf ein pflanzenbasiertes Granulat, das eine Reinigung der Hände ohne Wasser ermöglichen soll. Anders als bei der klassischen Handwäsche wird das Granulat nach der Anwendung abgeklopft. Ein anschließendes Abspülen ist nicht erforderlich.
Der Ansatz ist insbesondere für Regionen interessant, in denen sauberes Wasser nur eingeschränkt verfügbar ist. Dazu gehören humanitäre Krisengebiete, Schulen, landwirtschaftliche Einsatzorte und mobile Arbeitsplätze. Erste praktische Anwendungen wurden unter anderem aus Mosambik und Ghana berichtet. Nach Unternehmensangaben kommt Soapeya auch bei humanitären Hilfsmaßnahmen in Syrien zum Einsatz. Untersuchungen des Prüfinstituts Dermatest bescheinigen dem Produkt laut Hersteller eine hohe Reinigungsleistung. Weitergehende unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen könnten die Bewertung zusätzlicher Einsatzmöglichkeiten unterstützen.
Auch wirtschaftlich findet das Konzept Beachtung. Die börsennotierte DN Group AG beteiligte sich 2025 an der Save the Water Holding AG. Das Engagement zeigt, dass Technologien zur Ressourceneinsparung zunehmend auch für wirkungsorientierte Investoren interessant werden.
Die Ansätze in Dubai und bei Save the Water unterscheiden sich grundlegend, verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: den verantwortungsvollen Umgang mit einer begrenzten Ressource. Während Meerwasserentsalzungsanlagen die verfügbare Trinkwassermenge erhöhen, können wassersparende Produkte dazu beitragen, vorhandene Reserven gezielter einzusetzen.
Die Zukunft der Wasserversorgung dürfte deshalb nicht allein in der Produktion zusätzlicher Wassermengen liegen, sondern ebenso in Technologien, die den Verbrauch reduzieren.
Weiterführende Informationen:
- Soapeya und wasserlose Handhygiene – SCOREDEX
- Soapeya zwischen Innovation und Impact-Investment – Business Leaders
Fazit: Wasser wird zur strategischen Infrastruktur
Mit Hassyan entsteht in Dubai eine Wasserproduktionsanlage, die technologische Entwicklung und internationale Infrastrukturfinanzierung miteinander verbindet. Die geplante Leistung von mehr als 818 Millionen Litern täglich verdeutlicht, welche Größenordnungen moderne Meerwasserentsalzungsanlagen inzwischen erreichen.
„Die Zukunft der globalen Wasserversorgung wird dabei von zwei Entwicklungen geprägt: Technologien, die zusätzliche Wasserressourcen erschließen, und Innovationen, die den täglichen Verbrauch reduzieren. Beide Ansätze ergänzen sich.“
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Technik. Vor allem die Verbindung aus langfristigen Abnahmeverträgen, privater Finanzierung und öffentlicher Versorgung zeigt, wie sich große Wasserprojekte wirtschaftlich organisieren lassen.
Für andere Regionen ist Hassyan deshalb mehr als ein einzelnes Bauvorhaben. Das Projekt liefert ein Beispiel dafür, wie aus einer natürlichen Ressource, dem Meerwasser, durch moderne Technik eine planbare und wirtschaftlich bedeutsame Trinkwasserversorgung entstehen kann.
Wie viel Trinkwasser soll Hassyan produzieren?
Nach vollständigem Ausbau beträgt die geplante Tageskapazität rund 818 Millionen Liter beziehungsweise 818.280 Kubikmeter.
Wann wird Hassyan vollständig fertiggestellt?
Die vollständige kommerzielle Inbetriebnahme ist für Februar 2027 vorgesehen. Erste Kapazitäten wurden bereits im ersten Quartal 2026 in Betrieb genommen.
Wie funktioniert die Entsalzung?
Hassyan nutzt die Umkehrosmose. Dabei wird Meerwasser unter hohem Druck durch spezielle Membranen gepresst, die den überwiegenden Teil der gelösten Salze zurückhalten.
Was kostet das Trinkwasser aus Hassyan?
Bei der Projektvergabe wurde ein Angebotspreis von rund 0,365 US-Dollar je Kubikmeter veröffentlicht. Dieser Wert entspricht nicht dem Wasserpreis für private Haushalte.
Ist Meerwasserentsalzung umweltfreundlich?
Moderne Umkehrosmose ist energieeffizienter als viele ältere thermische Entsalzungsverfahren. Die Umweltbilanz hängt jedoch von der Stromversorgung, den Meerwasserentnahmen und der Behandlung der anfallenden Salzlake ab.
Könnte diese Technik auch in Europa eingesetzt werden?
Ja. Meerwasserentsalzung wird bereits in europäischen Küstenregionen eingesetzt. Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von örtlicher Wasserknappheit, Stromkosten, Umweltbedingungen und der vorhandenen Infrastruktur ab.
Quellen und weiterführende Informationen
Abrufstand: 24. Oktober 2026
Redaktioneller Hinweis:
Projektkosten, Kapazitäten und Inbetriebnahmetermine beruhen auf den veröffentlichten Unterlagen der Projektbeteiligten und zuständigen Behörden. Geplante Leistungen sind von bereits realisierten Produktionskapazitäten zu unterscheiden.




